• Peter Weixelbaumer

“Gentlemen, we must move fast!” Menschen und Aussagen, die mich geprägt haben

Hallo Leute, ich werde immer wieder gefragt, wie man ein guter Kommunikator wird. Meine Einschätzung: Etwa 33 % machen das Talent für Kommunikation und das Gespür für Menschen aus, Defizite sind hier (leider) kaum kompensierbar. Rund 33 % macht das Beherrschen von kommunikativen Werkzeugen aus, das kann man in beträchtlichem Maße lernen. Und die letzten rund 33 % sind Erfahrungen, für die man offen sein muss, um sie auch machen zu können, denn sie fliegen einem nicht einfach so zu.

Ohne Talent wird man also nie zu einem Top-Kommunikator werden, auch wenn man sich noch so abmüht. Sorry for that! Und selbst wenn man Talent hat und sich die Werkzeuge angeeignet hat, bleibt man ohne Erfahrung spürbar unter den Möglichkeiten top-professioneller Kommunikation. Es kommt also nicht von ungefähr, dass Top-KommunikatorInnen sehr rar sind und Headhunter auch in Zeiten der Coronakrise händeringend nach ihnen suchen. Nicht nur, aber auch deswegen rate ich allen, deren Herz für die Kommunikation schlägt, sich mit voller Leidenschaft auf dieses Metier einzulassen.


Wie macht man Erfahrungen? Vielleicht anders als in anderen Disziplinen ist in der Kommunikation nicht das Tun alleine entscheidend. Sondern das Verknüpfen, Transferieren und Ableiten – und das in einer eigenverantwortlichen oder noch besser verantwortungsübergreifenden Rolle. Kommunikation wird viel zu oft auf das verwendete Medium und die Botschaft reduziert. Das ist so, als würde man ein Auto auf sein Design oder auf die Art des Treibstoffs reduzieren. Damit alleine ist man noch keinen Meter vorwärtsgekommen. Genauso ist es mit Kommunikation. Und genau an dieser Weitläufigkeit, Themenverwobenheit und Komplexität beißen sich viele die Zähne aus, dabei ist aber genau das, das Spannende und Faszinierende an Kommunikation. :)


Für mich waren und sind andere Menschen in hohem Maße wichtige Erfahrungs-, Impuls- und Inspirationsquellen - vor allem die besonders eckigen und kantigen Persönlichkeiten. :) Man lernt entweder von solchen Menschen oder man lernt durch sie – beides ist enorm wertvoll. Sehr oft merke ich mir Aussagen, die mir einen gewissen Impuls geben, wie die folgenden vier Beispiele:


„Gentlemen, we must move fast!“

Ende der 1990er Jahre arbeitete ich in unserer EU-Hauptstadt Brüssel – eine Stadt, die ich nur jedem als Berufsstation empfehlen kann. Ich war damals Consultant bei der amerikanischen PR-Agentur Saatchi & Saatchi Rowland. Einer unserer Kunden war die Generaldirektion V der Europäischen Kommission, die GD „Employment, Industrial Relations & Social Affairs“. Wir hatten direkt mit George Katzourakis zu tun, der damals für den großen Bereich „Employment und Europäischer Sozialfonds ESF“ verantwortlich war. Arbeitsmeetings begannen oder endeten in der Regel mit einem Appell: „Gentlemen, we must move fast!“ Auch wenn Katzourakis seinen Spruch fast inflationär verwendete, so hatte er in den meisten Fällen recht. Gerade in der Kommunikation ist Geschwindigkeit ein wesentliches Erfolgskriterium. Themen zuerst besetzen, Lücken schließen, dem Interessensgegner kommunikative Freiräume nehmen, „windows of opportunities“ nützen – in keinem Managementlehrbuch an der Uni war davon zu lesen, durch das persönliche Erleben wurde mir die Erfolgskritikalität von Geschwindigkeit (in der Kommunikation) bewusst. Und sehr oft muss ich an George und seinen Lieblingsspruch denken und habe dabei sein Englisch mit griechischer Klangfarbe im Ohr.


„Peter, you are a consultant! Don’t tell me problems, tell me how to solve them!”

Aus der gleichen Zeit stammt ein weiteres Zitat, das mir oft in den Sinn kommt – und das ich bei uns in der Agentur gerne selbst verwende. Es stammt von der damaligen Agenturleiterin Abigail Jones, die mir bei einem der ersten Projekte, das ich federführend übernehmen durfte, sehr klar sagte, was sie vom „Hinaufdelegieren von Problemstellungen in der Hierarchie“ hielt, nämlich nix. Ich solle nicht Probleme artikulieren, sondern Problemlösungen ausarbeiten und diese dann gerne mit ihr reflektieren. Und ja, sie hatte absolut recht. Nur so kann effiziente und effektive Arbeit in einer (Matrix)Organisation funktionieren. Dabei ist eben das "Hinaufdelegieren von Problemen" ein beliebter „Sport“ in großen Organisationen.


„Komplex denken, einfach kommunizieren“

Das nächste Zitat führt mich über etwa 25 Jahre in meine Studienzeit an der Johannes Kepler Universität Linz zurück. Damals hielt der Spitzenmanager und Universitätsprofessor Johann Risak eine Vorlesung zu Risikomanagement ab. Dabei nannte er sein Credo, das eine fundamentale Bedeutung für die Kommunikation hat: „Komplex denken, einfach kommunizieren." Viele scheiterten damals und scheitern heute genau an dieser Grundlage, böse Zungen behaupten, viele würden es genau umgekehrt machen: einfach denken, aber komplex kommunizieren ...

Die Lehrveranstaltung von Risak war extrem impactstark – im wahrsten Sinne des Wortes von der ersten Sekunde an. So betrat Risak den Hörsaal und warf uns zur Begrüßung ein „Potentiell sind Sie alle tot!“ hin. Er meinte damit, was Steve Jobs Jahre später mit den Worten „You are already naked“ zum Ausdruck brachte: dass die Zeit zwar ein Kontinuum, für jeden von uns aber endlich ist.


„Der hat noch nie einen lebendigen Kunden von der Nähe gesehen!“

Das letzte Zitat meines Blogbeitrages kommt vom früheren Generaldirektor der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich, Ludwig Scharinger. Scharinger holte mich nach meiner Rückkehr aus Brüssel 2000 in den Raiffeisenkonzern. Ein Spruch, den Scharinger immer wieder platzierte, wenn er über vertriebsschwache oder theorieverliebte Menschen sprach, war: „Der hat noch nie einen lebendigen Kunden von der Nähe gesehen!“ Für ihn war klar, dass jeder erfolgreiche Manager, egal in welcher Abteilung, unmittelbare und wiederkehrende Kundenkontakte braucht, um den Markt nicht nur zu verstehen, sondern zu antizipieren. Ich ergänze diese Sichtweise gerne noch um den Aspekt der „Problemstellung in der Praxis“ – wer trotz tollster Ausbildung nie oder vor längerer Zeit eigenverantwortlich Problemstellungen in der Praxis analysieren, aufarbeiten und lösen musste, der kann in der Kommunikations- und Strategieberatung nur schwer Mehrwerte für seine Kunden liefern. In diesem Zusammenhang muss ich immer an ein Telefonat mit einem honorigen Mitbewerber denken, der mich vor mehreren Jahren anrief und mich mit überraschender Direktheit fragte „Was braucht denn die Industrie eigentlich?“ Es war eines der schönsten Komplimente, das mir ein Mitbewerber machen konnte. :)


In diesem Sinne: Lebt euer Leben in vollen Zügen und hört nie auf, dazulernen und besser werden zu wollen.


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